Heisshunger bei ADHS: Warum Essen manchmal mehr mit deinem Gehirn als mit Hunger zu tun hat

Heisshunger bei ADHS ist für viele Frauen weit mehr als die Lust auf etwas Süßes. Manche erleben plötzliches Verlangen nach bestimmten Lebensmitteln, andere essen nebenbei, ohne überhaupt Hunger zu haben. Dahinter steckt häufig mehr als fehlende Disziplin. In diesem Artikel erfährst du, warum Heißhunger und unbewusstes Stressessen bei ADHS auftreten können, welche Rolle Dopamin, Hormone und das Nervensystem dabei spielen und was dir helfen kann, deine eigenen Muster besser zu verstehen.

So kann sich Heisshunger und Stressessen bei ADHS anfühlen

Du hast gerade erst gegessen. Eigentlich bist du satt. Trotzdem kreisen deine Gedanken plötzlich um Schokolade, Chips oder etwas Süßes. Du gehst in die Küche, obwohl du vor zehn Minuten noch überzeugt warst, dass du nichts mehr essen möchtest. Vielleicht nimmst du dir nur ein Stück Schokolade. Daraus werden drei. Später fragst du dich, warum du schon wieder nicht aufhören konntest.

Oder es läuft ganz anders.

Du sitzt am Schreibtisch, beantwortest E-Mails oder arbeitest konzentriert an einer Aufgabe. Neben dir steht eine Packung Kekse oder eine Schüssel mit Nüssen. Irgendwann stellst du fest, dass fast alles aufgegessen ist. Nicht, weil du besonderen Hunger hattest. Sondern weil das Essen einfach nebenbei passiert ist. Du kannst dich kaum daran erinnern, bewusst entschieden zu haben, überhaupt etwas zu essen.

Wenn du solche Situationen kennst, bist du damit nicht allein. Viele Frauen berichten, dass Essen in ihrem Alltag eine größere Rolle spielt, als sie eigentlich möchten. Manche erleben immer wieder starken Heißhunger. Andere greifen in stressigen Phasen automatisch zu Snacks oder essen am Abend deutlich mehr als tagsüber. Viele schämen sich dafür und fragen sich, warum sie ihre Ernährung scheinbar nicht besser in den Griff bekommen.

Heisshunger gehört nicht zu den offiziellen Diagnosekriterien einer ADHS. Trotzdem gibt es verschiedene Mechanismen, die erklären können, warum Frauen mit ADHS häufiger von Heißhunger, unbewusstem Essen oder Stressessen berichten. Dazu gehören unter anderem Veränderungen im Belohnungssystem, Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation, Reizüberflutung und die Tatsache, dass körpereigene Signale wie Hunger oder Erschöpfung manchmal erst sehr spät wahrgenommen werden.

Gleichzeitig ist wichtig zu wissen, dass Heißhunger viele Ursachen haben kann. Hormone, Schlafmangel, Stress, bestimmte Erkrankungen oder lange Essenspausen können ebenfalls dazu beitragen. Heißhunger allein ist deshalb kein Hinweis auf ADHS. Er kann aber Teil eines größeren Musters sein, das viele Frauen erst verstehen, wenn sie sich intensiver mit dem Thema beschäftigen.

Was Heisshunger eigentlich ist

Fast jeder Mensch kennt Heisshunger. Gemeint ist damit ein plötzlich auftretendes und meist sehr starkes Verlangen nach bestimmten Lebensmitteln. Häufig sind das Süßigkeiten, salzige Snacks oder andere Lebensmittel, die schnell verfügbar sind und als besonders angenehm empfunden werden. Dieses Verlangen fühlt sich oft deutlich dringlicher an als normaler Hunger.

Normale Hungersignale entwickeln sich meist allmählich. Der Magen meldet sich, die Konzentration lässt nach oder du bemerkst, dass es Zeit für die nächste Mahlzeit wird. Nach dem Essen verschwindet dieses Gefühl in der Regel wieder.

Heisshunger verläuft häufig anders. Das Verlangen entsteht plötzlich und richtet sich oft auf ganz bestimmte Lebensmittel. Viele beschreiben das Gefühl, jetzt sofort etwas essen zu müssen. Selbst wenn sie sich eigentlich vorgenommen hatten, weniger zu naschen oder bereits satt sind, fällt es schwer, diesen Impuls zu ignorieren.

Daneben gibt es allerdings noch ein anderes Muster, das mindestens genauso häufig vorkommt und oft übersehen wird. Dabei geht es gar nicht um starken Hunger oder ein plötzliches Verlangen nach Süßem. Stattdessen wird gegessen, ohne dass Hunger überhaupt eine große Rolle spielt.

Vielleicht greifst du während der Arbeit immer wieder in die Snackschüssel. Vielleicht öffnest du am Abend mehrmals den Kühlschrank, obwohl du gar nicht genau weißt, wonach du suchst. Oder du bemerkst erst später, dass eine Packung Kekse leer ist, obwohl du dich kaum daran erinnern kannst, sie gegessen zu haben.

In solchen Situationen geht es häufig nicht darum, den Körper mit Energie zu versorgen. Essen übernimmt eine andere Aufgabe. Genau deshalb lohnt es sich, Heisshunger und unbewusstes Essen nicht als dasselbe zu betrachten.

Warum Heisshunger bei ADHS häufiger vorkommen kann

Overthinking ist kein offizielles Symptom einer ADHS. Heisshunger übrigens auch nicht. Trotzdem berichten viele Frauen mit ADHS, dass sie das Gefühl haben, Essen beschäftige sie deutlich mehr als andere Menschen. Manche erleben Phasen mit starkem Heißhunger. Andere essen impulsiv oder stellen fest, dass sie in belastenden Zeiten automatisch häufiger zu Snacks greifen.

Dafür gibt es nicht die eine Erklärung. Vielmehr kommen häufig mehrere Faktoren zusammen.

Eine Rolle spielt wahrscheinlich das Belohnungssystem des Gehirns. ADHS geht unter anderem mit Veränderungen in der Verarbeitung des Botenstoffs Dopamin einher. Dopamin ist unter anderem daran beteiligt, Motivation, Aufmerksamkeit und das Erleben von Belohnung zu steuern. Lebensmittel mit viel Zucker oder Fett können dieses Belohnungssystem kurzfristig aktivieren. Das bedeutet nicht, dass Frauen mit ADHS zwangsläufig mehr Süßigkeiten essen. Es kann aber erklären, warum bestimmte Lebensmittel in anstrengenden oder reizreichen Phasen besonders attraktiv erscheinen.

Hinzu kommt, dass viele Frauen mit ADHS ihre Körpersignale erst spät wahrnehmen. Vielleicht bist du so in eine Aufgabe vertieft, dass du den Hunger über Stunden kaum bemerkst. Erst als dein Körper dringend Energie braucht, meldet sich plötzlich starker Appetit. Was zunächst wie unkontrollierter Heißhunger aussieht, kann deshalb manchmal auch die Folge davon sein, dass der eigentliche Hunger lange übersehen wurde.

Daneben können Impulsivität und Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation eine Rolle spielen. Wenn etwas unmittelbar verfügbar ist und sich in diesem Moment gut anfühlt, fällt es oft schwerer, kurz innezuhalten und die Entscheidung noch einmal zu überdenken. Gerade nach einem anstrengenden Tag treffen dann häufig mehrere Dinge gleichzeitig aufeinander: echter Hunger, mentale Erschöpfung, das Bedürfnis nach Entspannung und die Aussicht auf eine schnelle Belohnung. Genau diese Kombination kann Heißhunger besonders intensiv machen.

Damit ist allerdings noch nicht erklärt, warum viele Frauen essen, obwohl sie gar keinen Hunger haben. Genau dieses Muster wird häufig übersehen, obwohl es im Alltag eine mindestens genauso große Rolle spielen kann wie klassischer Heisshunger.

Wenn Essen gar nichts mit Hunger zu tun hat

Viele Frauen beschreiben ihr Essverhalten ganz anders als klassischen Heisshunger. Sie erzählen nicht davon, dass sie plötzlich ein starkes Verlangen nach Schokolade oder Chips bekommen. Stattdessen sagen sie Dinge wie: „Ich esse den ganzen Tag nebenbei.“ Oder: „Ich merke erst hinterher, wie viel ich eigentlich gegessen habe.“ Manche stellen abends fest, dass die Packung Kekse leer ist, obwohl sie sich kaum daran erinnern können, sie geöffnet zu haben. Andere greifen während der Arbeit immer wieder zu Snacks, ohne sich bewusst dafür zu entscheiden.

Gerade dieses unbewusste Essen macht den Zusammenhang mit Stress oft so schwer erkennbar. Denn viele Frauen würden von sich selbst gar nicht sagen, dass sie gestresst sind. Der Tag war vielleicht voll, aber nicht außergewöhnlich. Es gab keinen Streit, keine Krise und kein Ereignis, das sich eindeutig als belastend beschreiben ließe. Trotzdem musste das Gehirn über Stunden konzentriert arbeiten, Entscheidungen treffen, zwischen Aufgaben wechseln, Reize ausblenden und sich immer wieder auf neue Situationen einstellen. Dieser Aufwand fällt im Alltag oft kaum auf, weil er zur Normalität geworden ist.

Hinzu kommt, dass viele Frauen mit ADHS ihre eigenen Körpersignale erst spät wahrnehmen. Hunger, Durst oder Erschöpfung werden manchmal erst dann deutlich, wenn sie kaum noch zu übersehen sind. Ähnlich kann es mit Stress sein. Solange noch etwas zu erledigen ist, wird weitergemacht. Erst wenn der Tag ruhiger wird oder die Konzentration nachlässt, zeigt sich, wie anstrengend die vielen kleinen Anforderungen tatsächlich waren.

Essen kann in solchen Momenten eine Form der Regulation werden. Nicht, weil der Körper dringend Energie braucht, sondern weil Essen kurzfristig angenehm ist und für einen Moment den Fokus verändert. Es unterbricht das ständige Funktionieren, verschafft eine kleine Pause und aktiviert gleichzeitig das Belohnungssystem. Das geschieht häufig automatisch und ohne bewusste Entscheidung. Genau deshalb beschreiben viele Frauen später nicht das Gefühl, die Kontrolle verloren zu haben. Sie fragen sich vielmehr, wann das Essen eigentlich angefangen hat.

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Typische Situationen für Heisshunger und Stressessen bei ADHS

Heisshunger und Stressessen treten selten zufällig auf. Viele Frauen stellen mit der Zeit fest, dass sich bestimmte Situationen immer wiederholen. Das bedeutet nicht, dass diese Auslöser bei jeder Frau gleich sind. Trotzdem gibt es einige Muster, die im Zusammenhang mit ADHS besonders häufig beschrieben werden.

Ein Beispiel ist das Arbeiten unter hoher Konzentration. Vielleicht kennst du Tage, an denen du so vertieft in eine Aufgabe bist, dass du weder auf die Uhr noch auf deinen Körper achtest. Du verschiebst das Mittagessen immer weiter nach hinten, beantwortest noch schnell eine E-Mail und möchtest nur eben eine Sache fertig machen. Irgendwann meldet sich der Hunger dann nicht mehr langsam, sondern mit voller Wucht. Aus einer ausgelassenen Mahlzeit wird plötzlich das Gefühl, jetzt alles essen zu wollen, was gerade verfügbar ist.

Ein anderes Muster zeigt sich am Abend. Tagsüber hat der Alltag kaum Platz gelassen, um die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen. Erst wenn es ruhiger wird, meldet sich der Körper. Viele Frauen beschreiben, dass sie nach dem Abendessen eigentlich satt sind und trotzdem das Gefühl haben, noch etwas essen zu müssen. Sie suchen nach etwas Süßem, öffnen noch einmal den Kühlschrank oder greifen zu Snacks auf dem Sofa. Dabei geht es häufig nicht nur um Hunger. Der Tag ist vorbei, das Nervensystem fährt langsam herunter und Essen wird zu einem Ritual, das diesen Übergang begleitet.

Auch Reizüberflutung kann eine Rolle spielen. Ein voller Arbeitstag, viele Gespräche, Lärm, ständige Unterbrechungen oder das Gefühl, gleichzeitig an zehn Dinge denken zu müssen, kosten das Gehirn viel Energie. Nach außen wirkt davon oft wenig sichtbar. Innerlich kann dieser Zustand jedoch sehr anstrengend sein. Manche Frauen bemerken erst später, dass sie in solchen Phasen deutlich häufiger nebenbei essen oder ein stärkeres Verlangen nach Süßem entwickeln.

Rund um die Menstruation berichten viele Frauen ebenfalls von Veränderungen ihres Essverhaltens. In den Tagen vor der Periode nehmen Heißhunger und Appetit bei vielen zu. Frauen mit ADHS erleben in dieser Zeit häufig zusätzlich, dass Konzentration, Reizempfindlichkeit oder emotionale Belastbarkeit schwanken. Treffen hormonelle Veränderungen und ein ohnehin stark beanspruchtes Nervensystem aufeinander, kann Essen noch attraktiver erscheinen als sonst.

All diese Situationen haben eines gemeinsam: Sie sagen nichts über deine Disziplin aus. Sie zeigen vielmehr, wie eng Essen mit Aufmerksamkeit, Emotionen, Stress und den Signalen des eigenen Körpers verbunden sein kann. Genau deshalb hilft es oft wenig, nur das Verhalten selbst verändern zu wollen. Mindestens genauso wichtig ist es zu verstehen, in welchen Situationen diese Muster überhaupt entstehen.

Was gegen Heisshunger und Stressessen bei ADHS helfen kann

Wenn Heisshunger oder unbewusstes Stressessen immer wieder auftreten, liegt die naheliegende Lösung oft darin, das Essen selbst stärker zu kontrollieren. Süßigkeiten werden nicht mehr gekauft, Snacks aus dem Haus verbannt oder neue Ernährungsregeln aufgestellt. Kurzfristig kann das funktionieren. Langfristig berichten viele Frauen jedoch, dass sich dadurch vor allem der innere Druck erhöht. Das eigentliche Muster bleibt bestehen und zeigt sich häufig an anderer Stelle wieder.

Hilfreicher kann es deshalb sein, zunächst einen Schritt zurückzugehen und sich zu fragen, wodurch der Heißhunger oder das Stressessen überhaupt ausgelöst wurden. Warst du tatsächlich hungrig, weil zwischen zwei Mahlzeiten viele Stunden vergangen sind? Oder war der Tag so anstrengend, dass dein Nervensystem nach einer schnellen Form der Entlastung gesucht hat? Diese beiden Situationen können sich von außen sehr ähnlich anfühlen, brauchen aber unterschiedliche Lösungen.

Manchmal reicht schon ein genauerer Blick auf den Tagesablauf. Viele Frauen stellen fest, dass sie morgens kaum frühstücken, das Mittagessen immer weiter verschieben und erst am Abend ausreichend essen. In solchen Fällen überrascht es nicht, wenn der Körper später mit starkem Hunger reagiert. Wer dagegen regelmäßig bemerkt, dass das Essen vor allem nach belastenden Gesprächen, langen Arbeitstagen oder Phasen hoher Reizbelastung auftritt, entdeckt häufig ein anderes Muster. Dann geht es weniger um Energie als um Regulation.

Hilfreich kann außerdem sein, zwischen dem eigentlichen Ereignis und der eigenen Interpretation zu unterscheiden. Wenn du nach einem anstrengenden Tag automatisch zur Schokolade greifst, bedeutet das nicht, dass du undiszipliniert bist oder nie lernen wirst, anders mit Essen umzugehen. Es bedeutet zunächst nur, dass dein Gehirn in diesem Moment auf eine Strategie zurückgreift, die kurzfristig funktioniert. Allein dieser Perspektivwechsel verändert oft den Blick auf das eigene Verhalten.

Das heißt nicht, dass Heisshunger oder Stressessen einfach hingenommen werden müssen. Wer die eigenen Auslöser kennt, kann nach und nach andere Möglichkeiten ausprobieren, um dem Gehirn oder dem Nervensystem dieselbe Unterstützung zu geben. Manchmal ist das eine regelmäßige Mahlzeit, manchmal eine kurze Pause, manchmal Bewegung oder ein paar Minuten ohne Reize. Entscheidend ist weniger, die eine perfekte Strategie zu finden, sondern nach und nach mehr Auswahl zu haben. Denn je mehr Möglichkeiten dir zur Verfügung stehen, desto seltener muss Essen allein diese Aufgabe übernehmen.

Ist Heisshunger ein Zeichen für ADHS?

Heisshunger allein ist kein Hinweis darauf, dass jemand ADHS hat. Viele Menschen erleben Phasen, in denen sie häufiger zu Süßem greifen oder das Gefühl haben, ihren Appetit schlechter steuern zu können. Dafür kommen ganz unterschiedliche Ursachen infrage. Schlafmangel, chronischer Stress, hormonelle Veränderungen, bestimmte Medikamente oder lange Essenspausen können das Essverhalten ebenso beeinflussen wie psychische Belastungen oder andere Erkrankungen.

Wenn Heisshunger oder Stressessen jedoch gemeinsam mit weiteren, schon lange bestehenden Auffälligkeiten auftreten, kann es sinnvoll sein, das Gesamtbild zu betrachten. Viele Frauen, die ihre ADHS-Diagnose erst im Erwachsenenalter erhalten, berichten rückblickend nicht nur von Schwierigkeiten mit dem Essen. Sie erinnern sich auch daran, dass Organisation und Zeitmanagement schon immer anstrengend waren, dass sie häufig Dinge aufgeschoben haben, leicht ablenkbar waren oder sich trotz großer Anstrengung nur schwer konzentrieren konnten. Hinzu kommen bei vielen eine ausgeprägte Reizoffenheit, das Gefühl, ständig funktionieren zu müssen, oder eine innere Unruhe, die nach außen oft kaum sichtbar ist.

Für die Einordnung einer ADHS ist außerdem wichtig, dass diese Muster nicht erst seit Kurzem bestehen. ADHS beginnt nicht plötzlich im Erwachsenenalter. Typische Merkmale zeigen sich bereits in der Kindheit oder Jugend, auch wenn sie damals möglicherweise anders aussahen oder niemand sie mit ADHS in Verbindung gebracht hat. Außerdem betreffen sie in der Regel mehrere Lebensbereiche und führen dort zu spürbaren Schwierigkeiten.

Heisshunger oder Stressessen wären in diesem Zusammenhang also nicht das ADHS-Symptom, sondern möglicherweise ein Teil eines größeren Musters. Genau deshalb lohnt es sich, das Essverhalten nicht isoliert zu betrachten, sondern gemeinsam mit anderen Erfahrungen aus dem Alltag einzuordnen.

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Du erfährst, warum Heisshunger und unbewusstes Stressessen bei ADHS so häufig auftreten, welche Rolle Dopamin, Hormone und Stress dabei spielen und welche alltagstauglichen Strategien helfen können — ohne Diätregeln, Verbote oder Perfektionismus.

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Fazit: Heisshunger bei ADHS verstehen statt sich dafür zu verurteilen

Heisshunger und Stressessen fühlen sich häufig so an, als würde es einfach an Disziplin fehlen. Viele Frauen nehmen sich immer wieder vor, weniger zu naschen, bewusster zu essen oder endlich mehr Kontrolle über ihr Essverhalten zu bekommen. Wenn das nicht gelingt, entstehen schnell Schuldgefühle und Selbstzweifel.

Dabei zeigt ein genauerer Blick, dass Essen häufig eine andere Funktion erfüllt. Manchmal reagiert der Körper auf echten Hunger, der lange übersehen wurde. Manchmal sucht das Gehirn nach einer schnellen Belohnung. Und manchmal versucht ein überlastetes Nervensystem, nach einem anstrengenden Tag wieder etwas zur Ruhe zu kommen. Von außen können sich diese Situationen sehr ähnlich anfühlen, obwohl sie unterschiedliche Ursachen haben.

Vielleicht erkennst du dich in einigen dieser Muster wieder. Vielleicht fällt dir zum ersten Mal auf, dass dein Essverhalten weniger mit fehlender Willenskraft zu tun hat, als du bisher angenommen hast. Allein dieses Verständnis verändert noch nicht automatisch etwas. Es kann aber der erste Schritt sein, die eigenen Gewohnheiten mit etwas mehr Neugier und etwas weniger Selbstkritik zu betrachten.

Denn je besser du verstehst, warum Heisshunger oder Stressessen entstehen, desto eher kannst du herausfinden, was dein Gehirn oder dein Nervensystem in diesen Momenten tatsächlich brauchen.

Häufige Fragen zu Heisshunger bei ADHS

Ist Heisshunger ein Symptom von ADHS? +

Nein. Heisshunger gehört nicht zu den offiziellen Diagnosekriterien einer ADHS. Trotzdem berichten viele Frauen mit ADHS, dass sie häufiger unter Heisshunger oder unbewusstem Essen leiden. Mögliche Erklärungen sind unter anderem Veränderungen im Belohnungssystem, Impulsivität, Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation oder das späte Wahrnehmen von Hunger und Stress.

Warum habe ich bei ADHS so oft Heisshunger auf Süßes? +

Lebensmittel mit viel Zucker können das Belohnungssystem kurzfristig aktivieren. Gerade nach einem anstrengenden oder reizreichen Tag können sie deshalb besonders attraktiv wirken. Gleichzeitig können ausgelassene Mahlzeiten, Schlafmangel, Stress oder hormonelle Schwankungen Heisshunger zusätzlich verstärken.

Warum esse ich, obwohl ich gar keinen Hunger habe? +

Nicht jedes Essen wird durch körperlichen Hunger ausgelöst. Viele Frauen berichten, dass sie beim Arbeiten, abends auf dem Sofa oder in stressigen Phasen automatisch zu Snacks greifen. In solchen Momenten kann Essen eine andere Funktion übernehmen — etwa kurzfristig Anspannung zu regulieren oder dem Gehirn eine kleine Belohnung zu verschaffen.

Kann Stress Heisshunger auslösen? +

Ja. Stress kann Heisshunger begünstigen und auch dazu führen, dass Menschen essen, ohne tatsächlich Hunger zu haben. Gerade bei Frauen mit ADHS wird Stress häufig erst spät wahrgenommen, weil das Gehirn lange im Funktionsmodus bleibt. Das Nervensystem sucht dann nach einer schnellen Form der Entlastung — und Essen ist dafür leicht verfügbar.

Warum ist Heisshunger bei ADHS abends oft besonders stark? +

Viele Frauen essen tagsüber unregelmäßig, verschieben Mahlzeiten oder nehmen ihre Körpersignale erst spät wahr. Am Abend treffen deshalb häufig echter Hunger, mentale Erschöpfung und das Bedürfnis nach Entspannung zusammen. Diese Kombination kann Heisshunger deutlich verstärken.

Welche Rolle spielen Hormone bei Heisshunger? +

Hormonelle Veränderungen können den Appetit und das Essverhalten beeinflussen. Viele Frauen beobachten insbesondere in den Tagen vor der Menstruation stärkeren Heisshunger. Wenn zusätzlich ADHS besteht, können hormonelle Schwankungen die Symptome und damit auch das Essverhalten weiter verstärken.

Was hilft gegen Heisshunger und Stressessen bei ADHS? +

Es gibt keine einzelne Lösung, die für alle Frauen funktioniert. Hilfreich kann es sein, regelmäßige Mahlzeiten einzuplanen, die eigenen Auslöser besser kennenzulernen und zwischen körperlichem Hunger, Heisshunger und unbewusstem Stressessen zu unterscheiden. Oft beginnt Veränderung nicht mit mehr Disziplin, sondern mit einem besseren Verständnis der eigenen Muster.

Bedeutet Heisshunger automatisch, dass ich ADHS habe? +

Nein. Heisshunger kann viele Ursachen haben und ist allein kein Hinweis auf ADHS. Wenn neben dem Essverhalten jedoch weitere typische Merkmale wie Aufschieben, Vergesslichkeit, Reizüberflutung, Konzentrationsprobleme oder emotionale Dysregulation schon seit der Kindheit bestehen, kann es sinnvoll sein, ADHS als mögliche Erklärung genauer zu betrachten.

Über die Autorin

Kathrin Brämer ist Heilpraktikerin mit über 14 Jahren Erfahrung in der Hormonberatung für Frauen. Sie ist spezialisiert auf das Zusammenspiel von Hormonen, Erschöpfung und ADHS bei Frauen in den Wechseljahren. In ihren Kursen und ihrem Ratgeber verbindet sie fundiertes Fachwissen mit einem Blick für das, was Frauen mit schnellem System wirklich brauchen: Einordnung statt Etikett, Verstehen statt Optimieren.

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