COMT, MTHFR und Methylierung: Warum Genetik bei ADHS-Frauen eine Rolle spielen kann – aber nicht dein Schicksal ist

„Liegt es in meinen Genen?“

Diese Frage stellen sich viele Frauen, wenn sie sich zum ersten Mal mit ADHS beschäftigen – oft erst in den Wechseljahren.

Warum wird es plötzlich schlimmer?
Warum reagiert mein Körper so empfindlich auf Stress?
Warum vertrage ich Koffein oder B-Vitamine anders als andere?

Ja, ADHS hat eine starke genetische Komponente.
Aber es gibt nicht das eine ADHS-Gen.

Es gibt genetische Varianten, die beeinflussen,
wie dein Körper Dopamin verarbeitet,
wie er B-Vitamine nutzt,
wie er mit Stress umgeht.

Zwei davon werden besonders häufig diskutiert:
COMT und MTHFR.

Und genau hier beginnt oft die Verwirrung.

 

Wenn du ADHS grundsätzlich besser verstehen willst:
ADHS bei Frauen: 5 Anzeichen

Gene sind keine Diagnose

Bevor wir tiefer gehen:

Gene sind Tendenzen, keine Urteile. Sie beeinflussen, wie dein Körper arbeitet.

Aber sie bestimmen nicht, ob du Symptome entwickelst. Und schon gar nicht, wie stark.

Was im Alltag wirkt, ist nicht nur Genetik – sondern das Zusammenspiel aus:

  • Hormonen

  • Stress

  • Schlaf

  • Blutzucker

  • Nährstoffstatus

  • Lebensphase

Gerade bei Frauen ist dieses Zusammenspiel entscheidend.

COMT – wie schnell wird Dopamin abgebaut?

Was ist COMT?

COMT ist ein Enzym, das Dopamin abbaut – besonders im präfrontalen Kortex.
Also genau dort, wo Aufmerksamkeit, Planung und Impulskontrolle sitzen.

Es gibt Varianten, die:

  • Dopamin schneller abbauen

  • oder langsamer abbauen

Was bedeutet das praktisch?

Schneller Abbau:

  • niedrigere Dopaminbasis

  • schneller erschöpft

  • anfälliger für Konzentrationsprobleme

  • oft mehr Antriebsschwäche in hormonellen Umbruchphasen

Langsamer Abbau:

  • mehr Grunddopamin

  • bessere Fokussierung in stabilen Phasen

  • aber höhere Stressanfälligkeit

  • eher Reizüberflutung oder Grübeln

Jetzt kommt der hormonelle Faktor:

Östrogen hemmt die COMT-Aktivität.

Sinkt Östrogen – etwa in der zweiten Zyklushälfte oder in den Wechseljahren –
wird Dopamin stärker abgebaut.

Das erklärt, warum viele Frauen berichten:

„Früher ging es. Jetzt nicht mehr.“

Nicht weil du schwächer geworden bist.
Sondern weil dein neurohormonelles Gleichgewicht sich verschoben hat.

 

Warum Östrogen hier so entscheidend ist, erkläre ich hier:
ADHS und Hormone

MTHFR – warum Methylierung relevant sein kann

MTHFR ist ein Enzym im Folatstoffwechsel. Es beeinflusst, wie effizient dein Körper Folat in seine aktive Form umwandelt.

Warum ist das interessant?

Weil Methylierung beteiligt ist an:

  • Dopamin- und Serotoninproduktion

  • Homocystein-Regulation

  • Zellreparatur

  • Genregulation

Eine genetische Variante kann bedeuten:

  • Du brauchst funktionell mehr B-Vitamine

  • Oder du verstoffwechselst sie anders

Wichtig:
Eine Variante heißt nicht automatisch „Problem“.

Viele Menschen kompensieren vollständig.

Entscheidend ist nicht der Gentest – sondern der funktionelle Zustand:

  • Wie ist dein Homocystein?

  • Wie reagierst du auf B-Vitamine?

  • Wie ist dein Stresslevel?

Genetik erklärt eine Richtung. Sie ersetzt keine Einordnung.

Warum Gentests selten die Lösung sind

Gentests sind heute leicht zugänglich. Aber sie liefern statische Information.

Sie sagen dir nicht:

  • Wie dein aktueller Dopaminstoffwechsel aussieht

  • Wie dein Hormonsystem gerade arbeitet

  • Ob dein Nervensystem überlastet ist

Viele Frauen verlieren sich im SNP-Dschungel – und stehen am Ende mit mehr Verwirrung da als zuvor.

Die entscheidende Frage lautet nicht: „Welche Variante habe ich?“

Sondern: „Wie zeigt sich mein System aktuell?“

Wenn ADHS, Hormone und Stress zusammenwirken

Besonders relevant wird Genetik in hormonellen Übergangsphasen:

  • Perimenopause

  • Wochenbett

  • starke Zyklusschwankungen

  • chronischer Stress

Hier verstärken sich neurobiologische Effekte.

Manche Frauen erleben dann:

  • massive Konzentrationsprobleme

  • emotionale Instabilität

  • Erschöpfung

  • Reizüberflutung

  • depressive Verstimmung

Und suchen verzweifelt nach einer Erklärung.

Genetik kann Teil der Antwort sein.
Aber nie die ganze.

 

Warum das in der Perimenopause eskaliert, liest du hier:
ADHS in den Wechseljahren

Was stattdessen sinnvoll ist

Nicht: „Welches Gen habe ich?“

Sondern:

  • Wie reagiert mein System auf Stress?

  • Wie verändern sich Symptome im Zyklus?

  • Wie stabil ist mein Blutzucker?

  • Wie regeneriert mein Nervensystem?

Das sind die Fragen, die Orientierung geben.

Wenn du tiefer einsteigen möchtest

Die Zusammenhänge zwischen
Dopamin, Östrogen, Stressachse, COMT, MTHFR und ADHS
sind komplex.

Und sie werden im Internet entweder vereinfacht
oder dramatisiert.

Deshalb habe ich einen strukturierten Ratgeber entwickelt:

„ADHS bei Frauen – Hormone, Dopamin und Genetik verstehen“

Darin findest du:

  • eine verständliche Einordnung von COMT und MTHFR

  • den Zusammenhang zwischen Zyklus, Wechseljahren und Dopamin

  • Hinweise, wann Genetik relevant ist – und wann nicht

  • welche Laborwerte wirklich Orientierung geben

  • wie du ohne Gentest sinnvoll vorgehen kannst

Der Ratgeber richtet sich an Frauen,
die verstehen wollen –
nicht nur Symptome verwalten.

Preis: 14,90 €

→ Hier findest du alle Informationen zum Ratgeber.

Zum Schluss

Gene sind wie Rahmenbedingungen.
Sie erklären, warum dein System anders reagieren kann als das deiner Schwester.

Aber sie sind kein Urteil.
Und keine Ausrede.

Verstehen ist kein Ersatz für Therapie.
Aber es ist der Schritt, der aus Verwirrung Klarheit macht.

Und Klarheit ist oft der Anfang von Stabilität.

Über die Autorin

Kathrin Brämer ist Heilpraktikerin mit über 14 Jahren Erfahrung in der Hormonberatung für Frauen. Sie ist spezialisiert auf das Zusammenspiel von Hormonen, Erschöpfung und ADHS bei Frauen in den Wechseljahren. In ihren Kursen und ihrem Ratgeber verbindet sie fundiertes Fachwissen mit einem Blick für das, was Frauen mit schnellem System wirklich brauchen: Einordnung statt Etikett, Verstehen statt Optimieren.

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