PMS oder ADHS? Warum beides oft zusammen auftritt
Eine Frage, die viele Frauen jahrzehntelang nicht gestellt bekommen haben – und die alles veraendern kann, wenn sie endlich gestellt wird.
„Ich hab halt PMS.“
Wie oft hast du das gesagt – ueber dich selbst, halb entschuldigend, halb erklaerend?
Die Reizbarkeit. Die Erschoepfung. Die Konzentration, die weg ist. Das Gefuehl, nicht mehr in sich selbst zu passen.
Und dann kommen die Tage, die Blutung setzt ein – und fast wie auf Knopfdruck bist du wieder du.
Dieses Muster kennen viele Frauen. Aber was, wenn PMS gar nicht die ganze Wahrheit ist?
Was PMS und ADHS gemeinsam haben
Auf den ersten Blick sehen sich die Symptome verbluefffend aehnlich: Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit, Erschoepfung, Schlafprobleme, emotionale Instabilitaet, Vergesslichkeit.
Die Ueberschneidung ist so gross, dass Frauen mit ADHS jahrelang – manchmal jahrzehntelang – nur die Diagnose PMS erhalten. Und entsprechend behandelt werden: mit Schmerzmitteln, Hormonen oder dem Hinweis, das sei normal.
Warum Hormone die ADHS-Symptomatik so stark beeinflussen
Oestrogen hat eine direkte Wirkung auf das Dopaminsystem.
In der ersten Zyklushaelfte steigt Oestrogen – Dopamin wird stabiler verfuegbar. Konzentration, Motivation, Stimmung: besser.
In der zweiten Haelfte sinkt Oestrogen – und besonders kurz vor der Periode faellt es stark ab. Das ADHS-Gehirn, das ohnehin weniger Dopamin-Puffer hat, spuert das besonders deutlich.
Die erste Zyklushaelfte ist ein neurologischer Rueckenwind. Die zweite ist ein Gegenwind. Und wenn dein Gehirn schon ohne Wind kaempft, macht der Gegenwind alles schwerer.
Den hormonellen Hintergrund verstehen:
→ ADHS und Hormone: Warum dein Zyklus deine Symptome steuert
Wenn aus PMS PMDS wird
Manche Frauen erleben praemenstruelle Symptome, die ueber normales Unbehagen weit hinausgehen. Das wird als Praemenstruelle Dysphorische Stoerung (PMDS) bezeichnet – eine schwere Form mit erheblichen psychischen Symptomen wie Angst, Depressivitaet und extremer Reizbarkeit.
Frauen mit ADHS haben ein deutlich erhoehtes Risiko, auch an PMDS zu leiden. Beide haengen mit Dopamin- und Serotoninregulation zusammen. Beide werden durch hormonelle Schwankungen verstaerkt.
Wenn du denkst, dein PMS ist zu intensiv fuer normales PMS – dann ist das keine Ueberempfindlichkeit. Das kann ein Hinweis sein, der ernst genommen werden sollte.
Wie du dein eigenes Muster erkennst
Drei Fragen helfen bei der ersten Einordnung:
- Wann fuehle ich mich am besten in meinem Zyklus?
- Wann ist es am schwersten – nur die letzten Tage, oder die gesamte zweite Haelfte?
- Gibt es auch ausserhalb des Zyklus Phasen, in denen ich schlecht funktioniere?
Wenn du auf die dritte Frage mit Ja antwortest – wenn also auch in guten Zyklusphasen bestimmte Muster da sind – lohnt sich der Blick auf ADHS als Grundmuster.
Was das fuer die Behandlung bedeutet
Wer nur PMS behandelt, aber ADHS dahinterliegt, behandelt an der Oberflaeche. Die zyklischen Einbrueche werden vielleicht etwas besser – aber die Grundsymptomatik bleibt.
Wer ADHS erkennt und das hormonelle Muster mitdenkt, kann gezielt unterstuetzen: zyklusangepasstes Energie- und Aufgabenmanagement, hormonelle Unterstuetzung, die das Dopaminsystem stabilisiert, ggf. medikamentoese ADHS-Therapie, die in der zweiten Zyklushaelfte angepasst wird.
Zum Zyklus-Zusammenhang tiefer einsteigen:
→ COMT-Gen und ADHS: Wenn Oestrogen nicht richtig abgebaut wird
Das Wichtigste zum Schluss
PMS war real. Aber es war moeglicherweise nicht die Ursache.
Es war das Fenster, durch das ein ADHS-Muster sichtbar wurde.
Diese Erkenntnis aendert nichts ueber Nacht. Aber sie erlaubt dir, aufzuhoeren, dich selbst fuer schwach zu halten.
Weiterführend lesen
→ ADHS und Hormone: Warum dein Zyklus deine Symptome steuert
→ COMT-Gen und ADHS: Wenn Oestrogen nicht richtig abgebaut wird
→ Die Pille abgesetzt – und ploetzlich ist ADHS da?
→ ADHS nach der Geburt: Warum viele Frauen erst dann ihr Muster erkennen
→ ADHS-Spaetdiagnose: Warum viele Frauen erst mit 40+ hoeren Das koennte ADHS sein
Im digitalen Ratgeber ADHS bei Frauen findest du ein ausfuehrliches Kapitel zum Zusammenspiel von Zyklus, Hormonen und ADHS – mit konkreten Hinweisen, woran du dein eigenes Muster erkennen kannst.
Über die Autorin
Kathrin Brämer ist Heilpraktikerin mit über 14 Jahren Erfahrung in der Hormonberatung für Frauen. Sie ist spezialisiert auf das Zusammenspiel von Hormonen, Erschöpfung und ADHS bei Frauen in den Wechseljahren. In ihren Kursen und ihrem Ratgeber verbindet sie fundiertes Fachwissen mit einem Blick für das, was Frauen mit schnellem System wirklich brauchen: Einordnung statt Etikett, Verstehen statt Optimieren.
